Melatonin – das Schlafhormon

Das Hormon Melatonin steuert die innere Uhr des Körpers: Es passt bei Schichtarbeitenden die Schlaf- und Wachzeiten an und verringert bei Fernreisenden die Jetlag-Probleme. Zu wenig Melatonin jedoch verursacht Schlafstörungen. Lesen Sie jetzt auf Heimtest-Schnelltests.de, wie Sie einen Melatoninmangel erkennen und beheben können!

Melatonin ist ein Hormon, das unsere innere Uhr steuert.

Melatonin ist ein Hormon, das unseren Schlaf-wach-Rhythmus steuert. Es wird bei Dunkelheit produziert. – © GYassineMrabetTalk This PNG graphic was created with Inkscape., Biological clock human, CC BY-SA 3.0 Übersetzung: Rosali Ziller

Die Entdeckung von Melatonin haben wir den unterschiedlichen Hautfarben des Menschen zu verdanken. Zu einer Zeit, als sich Menschen mit dunkler Hautfarbe oder mit der Weißfleckenkrankheit (Vitiligo) benachteiligt fühlten, wurde nach Mitteln gesucht, die die Haut zu bleichen imstande waren. Im Jahre 1953 weckte eine Veröffentlichung Interesse, die den bleichenden Effekt von Zirbeldrüsenextrakt, aus Kühen gewonnen, auf der Haut von Fröschen beschrieb.

Dem Hautarzt A. Lerner und seinem Kollegen J. D. Case gelang es schließlich 1958, den für diese Veränderung verantwortlichen Stoff zu isolieren: das Melatonin. Später entdeckten Wissenschaftler seine schlafregulierende Wirkung und erkannten, dass ein Melatoninmangel für Schlafprobleme und Krankheiten wie Burn-out und Depressionen verantwortlich ist.

Was ist Melatonin und wie wirkt es?

Melatonin wird in der Zirbeldrüse im Gehirn produziert.

Melatonin wird im Gehirn in der Zirbeldrüse produziert. – © rob3000 – Fotolia.com, Übersetzung: Rosali Ziller

Die wissenschaftliche Bezeichnung für das Hormon ist 5-Methoxy-N-Acetyltryptamin. Wie der Name vermuten lässt, leitet sich die Verbindung von der Aminosäure Tryptophan ab. Der Name Melatonin bezieht sich auf das Pigment Melanin (griechischen, schwarz). Die Endung „-tonin“ weist auf die Vorläufersubstanz Serotonin hin.

Die Zirbeldrüse produziert Melatonin

Tritt wenig Licht durch das Auge auf die Netzhaut, erreicht die Zirbeldrüse das Signal zur Herstellung des Hormons. Die Zirbeldrüse (Epiphyse) ist ein Areal im Zwischenhirn, in dem unter diesen Bedingungen aus Serotonin durch Methylierung Melatonin gebildet wird. Die Synthese erfolgt hauptsächlich nachts. Bei Tageslicht ist sie gehemmt. Deshalb findet sich auch die Bezeichnung Hormon der Dunkelheit oder Schlafhormon.

Durch die bei Einbruch der Dunkelheit angekurbelte Melatoninproduktion entsteht das Gefühl der Ermüdung. Bereits ein bis zwei Stunden nach dem Einschlafen vervielfacht sich die Hormonmenge. Die Konzentration steigt in der Nacht bis auf das Zehnfache des Tageswertes an. In einem komplexen Schaltkreis unter Beteiligung verschiedener Gehirnregionen sorgt Melatonin für den Tag- und Nachtrhythmus.

Melatonin aktiviert das Immunsystem

Die Wirkung von Melatonin kann auf Prozesse im Körper hemmend und auf andere stimulierend sein. Unter dem Einfluss des Hormons sinkt in der Nacht die Körpertemperatur, das Immunsystem wird hingegen aktiviert. Das Hormon ist in der Lage, freie Radikale zu binden und auf diese Weise als Zellschutz und Antioxidans zu wirken. Darüber hinaus werden bestimmte Zellprozesse herabgesetzt. Beide Effekte haben zur Vermutung geführt, dass Melatonin für eine höhere Lebenserwartung sorgt.

In den Eierstöcken und Hoden wird die Ausschüttung von Sexualhormonen wie Testosteron in Gegenwart hoher Melatonin-Konzentrationen gesenkt. Das Hormon ist Gegenspieler des Stresshormons Adrenalin, das den Blutdruck und die Herzfrequenz erhöht. Es schützt das Herz-Kreislaufsystem. Die Ausschüttung eines weiteren Stresshormons, des Cortisols, wird ebenfalls durch das Schlafhormon gesenkt.

Wie wirkt sich ein Melatoninmangel aus?

Eines der auffälligsten Melatoninmangel-Symptome zeigt sich bei Menschen, deren Tagesablauf von wechselnden Schlaf- und Wachzeiten begleitet wird. Sie leiden unter Schlafstörungen. Berufstätige, die in Nachtschichten arbeiten und Fernreisende, die großen Zeitumstellungen ausgesetzt sind, zeigen einen gestörten Melatoninhaushalt.

Die Schlafdauer nimmt mit zunehmendem Alter ab, während die Einschlafprobleme gravierender zutage treten. Dies ist Resultat einer abnehmenden Bereitstellung des Hormons. Fehlt dem Körper der erholsame Schlaf, wirkt sich dies auf Hirnareale aus, die für die Gedächtnisleistungen verantwortlich sind.

Müdigkeit und Stressempfinden sind typische Symptome

Niedrige Melatoninwerte äußern sich als andauernde Müdigkeit und höhere Stressanfälligkeit. Probleme beim Durchschlafen, weniger und kürzere Traumphasen, Lichtempfindlichkeit und Konzentrationsschwäche können Ausdruck eines Melatoninmangels sein.

Bei gehäuften Erkältungen und Infektionen sollte ebenfalls an einen erniedrigten Melatoninspiegel gedacht werden. Dieser kann durch eine Serotonin-Unterversorgung bedingt sein, so wie sie als Ursache von Depressionen und Burn-out auftritt. An Depression Erkrankte leiden nicht selten zusätzlich unter Schlafproblemen.

Testosteronproduktion sinkt

Das Schlafhormon setzt die Produktion von Testosteron herab. Diese Eigenschaft soll bei der Behandlung von sogenannten hormonabhängigen Tumoren eine Rolle spielen. Beim Mann betrifft das jene Tumorarten, die durch einen erhöhten Testosteronspiegel auffallen.

Ärzte haben beobachtet, dass in einigen Fällen Kopfschmerz-Attacken, beispielsweise bei Migräne, mit niedrigeren Melatoninspiegeln im Zusammenhang stehen. In einem beschriebenen Fall konnte ein Betroffener durch eine Behandlung mit diesem Hormon von seinen Beschwerden befreit werden.

Melatoninmangel feststellen mit dem Melatonin-Test

Der Melatonin Test misst in einer Speichelprobe den Melatoninspiegel, um Melatoninmangel aufzudecken.

Mit dem Melatonin-Test können Sie die Konzentration des Hormons im Speichel ermitteln und einen möglichen Melatoninmangel aufdecken. – © medivere GmbH

Die Melatonin-Ausschüttung schwankt im Verlauf eines Tages, wobei der Maximalwert bei fast allen Menschen zur gleichen nächtlichen Zeit erreicht wird. Für den Melatoninmangel-Test ist deshalb die Angabe der Zeit für die Probenahme wichtig, um das Ergebnis richtig zu interpretieren.

eine Speichelprobe genügt

Die Einschätzung des Melatonin-Haushaltes ist einfach und ohne belastende Blutentnahme über einen Speicheltest, auch als Melatonin-Saliva-Test (Saliva ist das lateinische Wort für Speichel) bezeichnet, möglich. Es gibt einen Speicheltest für Melatonin, der als Einmalbestimmung ausgelegt ist und einen weiteren, der den Verlauf als sogenanntes Profil analysiert. Im ersten Fall wird eine Probe in der Zeit von zwei bis drei Uhr nachts gewonnen. Der Wert erfasst die nächtliche Hormonproduktion.

Soll zusätzlich der Anstieg der Ausschüttung über die Zeit ermittelt und damit eine präzisere Aussage zum Hormon Status erzielt werden, wird ein Test verwendet, der drei Messpunkte, um 20 Uhr, 24 Uhr und zwei Uhr in der Nacht, berücksichtigt.

Sicherheit durch Laborauswertung

Für die Bestimmung werden die Proben an ein Messlabor verschickt. Der Gehalt aus einer Einzelmessung wird mit einem Referenzwert verglichen, bei drei Messungen wird die Veränderung des Wertes über die Zeit zusätzlich bewertet, wobei der maximale Gehalt um zwei Uhr erreicht werden sollte. Die Mengen werden in Piktogramm (ein milliardstel Milligramm) pro Milliliter angegeben.

Um die Resultate nicht zu verfälschen, sollte darauf geachtet werden, dass die Mundhöhle vorher mit Wasser ausgespült wird. Essensreste und Alkohol stören die Messung. Zucker fördert das Bakterienwachstum in der Probe und machen sie auf diese Weise unbrauchbar für die Analyse.

So vermeiden und beheben Sie Melatoninmangel!

100 g Sojabohnen enthalten 450 mg Tryptophan, woraus Melatonin gebildet wird.

Sojabohnen enthalten viel Tryptophan, aus dem das Melatonin gebildet wird. – © Scott Bauer, Soybeanvarieties, marked as public domain, more details on Wikimedia Commons

Verkürzt man regelmäßig die Dunkelphase durch nächtliche Beleuchtung, einen laufenden Fernseher oder Computer, wird die Melatoninausschüttung herabgesetzt. Koffeinhaltige Getränke am Abend senken die Hormonmenge in der Nacht, weil das Koffein, ein Enzym hemmt, das für die Herstellung notwendig ist.

Kein intensiver Sport am Abend

Intensiver Sport am späten Abend und Dauerstress können zu einer Absenkung des Melatoninspiegels führen. Es lohnt sich aus diesen Gründen, die Lebensgewohnheiten zu überprüfen, da hier bereits die Ursachen für einen Mangel liegen können. Ein stark abgedunkelter Raum verlängert die Produktion des Hormons. Bei einem bekannten Serotoninmangel fördert die vermehrte Aufnahme der Aminosäure Tryptophan die Synthese von Serotonin und Melatonin.

Melatoninhaltige Lebensmittel helfen

Samen und Nüsse, insbesondere Erdnüsse und Cashewkerne, Sojabohnen, Brie- und Edamerkäse sowie Thunfisch sind reich an Tryptophan. Bestimmte Medikamente wie Glucokortikoide oder Betablocker können die Produktion des Schlafhormons senken. Bei einem Mangel, der zu Schlafstörungen führt, werden Melatonin-Tabletten verschrieben, die allerdings nur kurzzeitig und vorrangig bei älteren Patienten angewendet werden. Der Wirkstoff ist L-Tryptophan, das der Organismus zu Melatonin umwandelt.

Rezeptfrei kann man Melatonin kaufen als Kapseln mit bis zu fünf Milligramm der Wirkkomponente. L-Tryptophan Kapseln* können Sie hier online bestellen. Als natürliche Lieferanten des Schlafhormons eignen sich Sojabohnen, Hafer und Mais. Eine Sauerkirschen Art, die den Namen Montmorency Sauerkirsche trägt, hat sich als melatoninhaltiges Lebensmittel mit besonders hohem Gehalt, verglichen mit dem anderer Sorten, erwiesen. Sie übertrifft deren Hormonkonzentration um das Sechsfache.

Hat das Schlafhormon Melatonin Nebenwirkungen?

Melatonin-Tabletten: Überdosierung vermeiden!

Melatonin-Tabletten sollen nicht überdosiert werden. – © Murrur, Melatonin prescription, CC BY-SA 3.0

In der Regel lassen sich keine Nebenwirkungen feststellen. In den USA, wo Melatonin in einer Dosis bis zu drei Milligramm seit mehr als zehn Jahren als Nahrungsergänzungsmittel vertrieben wird, sind keine negativen Effekte bekannt geworden. Dennoch fehlen bis jetzt umfassenden Untersuchungen zu möglichen Langzeiteffekten.

Melatonin nicht überdosieren!

Deshalb ist bei hohen Dosen über lange Zeiträume Vorsicht geboten. Bei einer Melatonin-Gabe über zwei bis drei Monate treten keine Nebenwirkungen auf. Dieses stellt den üblichen Verschreibungszeitraum von Melatonin bei Schlafstörungen dar. Längere Anwendungen können den natürlichen Schlaf-wach-Rhythmus stören. Nur vereinzelt werden Symptome wie Konzentrationsschwäche und Schläfrigkeit während der Anwendung beschrieben.

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Die gleichzeitige Einnahme von Antidepressiva (Serotonin Wiederaufnahme Hemmer, SSRI), Antileptika oder Antithrombosemitteln kann zu Wechselwirkungen zwischen den Arzneistoffen führen. Da das Hormon das Immunsystem aktiviert, sollten Betroffene, die an Autoimmunerkrankungen leiden, auf die Einnahme verzichten. Diese Erkrankungen sind durch eine überschießende Abwehr gegen körpereigene Zellen oder Organe gekennzeichnet, die durch Melatonin verstärkt werden kann.

Als Schlafhormon hat Melatonin Bedeutung für den Schlaf- und Wach-Rhythmus. Ein niedriger Spiegel äußert sich vorrangig als Schlafstörung, die Konzentrationsschwächen oder Kopfschmerzen nach sich ziehen kann. Einen Melatoninmangel können Sie schnell und einfach mit einem Melatonin-Speicheltest aufdecken. Bestellen Sie jetzt Ihren Melatonin-Test hier auf Heimtest-Schnelltests.de!

Quellen:
https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2019/10/22/melatonin-in-nahrungsergaenzungsmitteln, abgerufen am 30.11.2020
https://www.test.de/medikamente/wirkstoff/hormon-melatonin-w1094/, abgerufen am 30.11.2020
https://de.wikipedia.org/wiki/Melatonin, abgerufen am 30.11.2020
https://de.wikipedia.org/wiki/Tryptophan, abgerufen am 30.11.2020
https://www.aerzteblatt.de/archiv/12297/Traum-und-Realitaet-in-der-Melatoninforschung, abgerufen am 30.11.2020
https://nccih.nih.gov/health/melatonin, abgerufen am 30.11.2020
https://www.g-ba.de/bewertungsverfahren/nutzenbewertung/432/#nutzenbewertung, abgerufen am 30.11.2020