Barbiturate – beunruhigende Beruhigungsmittel

Schlafstörungen kosten Nerven und Kraft. Der Griff nach einem Beruhigungsmittel liegt dann nah. Für viele Betroffene war die Entdeckung der Barbiturate ein Segen. Der Fluch kam mit der Offenlegung der Nebenwirkungen, die nicht nur die Lebensqualität, sondern das Leben selbst bedrohen. Warum, lesen Sie hier auf Heimtest-Schnelltests.

Barbiturate werden seit Anfang des 20. Jahrhunderts genutzt und besitzen hohes Abhängigkeitspotenzial.

Barbiturate werden seit Anfang des 20. Jahrhunderts medizinisch genutzt, besitzen jedoch ein hohes Abhängigkeitspotenzial. – © JLLH – Fotolia.com

1864 hatte Adolf von Baeyer unter Verwendung von Harnstoff als einen Ausgangsstoff erstmals Barbitursäure hergestellt. Daher werden die Barbiturate auch als Diureide (griechisch dioureĩn = Harn ausscheiden) bezeichnet.

Erste Synthese

Die erste Synthese glückte am Namenstag der Heiligen Barbara. Das mag der Grund für die Bezeichnung Barbitursäure sein. Barbitursäure hat keinen pharmakologisch relevanten Effekt. Erst die Einführung von Substituenten (Atome, die in einem Molekül andere Atome ersetzen) führt zu den besonderen Eigenschaften. Diese nun hochwirksamen Barbiturate gelten als schlafanstoßend, narkotisierend und krampflösend.

Selbstversuch bestätigte Wirkung

Das erste Präparat wurde, wie es damals nicht selten geschah, in einem Selbstversuch, auf einer Bahnfahrt nach Verona, getestet. Er endete mit einem tiefen Schlaf bis zum Ende der Fahrt. Damit war die Wirkung erwiesen und der Name für das Medikament gefunden: Veronal. Inzwischen ist es aus dem Verkehr gezogen, wie andere Vertreter auch, und missbräuchliche Einnahmen werden mit einem Drogentest offengelegt.

Was sind Barbiturate und wie wirken sie?

Barbiturate sind Abkömmlinge der Barbitursäure, allerdings nicht im Sinne von Salzen oder Estern. Vielmehr unterscheiden sie sich in den Substituenten (bestimmte Atome oder Atomgruppen) am Kohlenstoff Nummer fünf (C5 Position). Diese wirken sich auf die Eigenschaften der Verbindung aus, insbesondere auf ihre Fettlöslichkeit (Lipophilie).

Lipophile (fettlösliche) Substanzen überqueren leichter die Blut-Hirn-Schranke, verteilen sich besser und wirken rascher. Mit solchen Gruppen lassen sich die Pharmakokinetik, das heißt, die Zeit bis zum Eintreten des Effektes und die Dauer beeinflussen.

Ein Barbiturat mit lipophilen Substituenten wird überwiegend in der Leber abgebaut, während hydrophile (Wasser liebende) für eine bevorzugte Ausscheidung über die Niere sorgen.

Barbiturate hemmen Reize im Gehirn

Im Gehirn binden Barbiturate an GABA (Gamma-Amino-Buttersäure) Rezeptoren. Die Aktionen im zentralen Nervensystem werden durch verschiedene Botenstoffe moduliert. Einige hemmen die Reize, andere steigern sie. GABA wirkt hemmend in bestimmten Hirnregionen.

Durch die Bindung an bestimmte Untereinheiten des GABA Rezeptors erzielen Barbiturate ihre Effekte mit einer längeren Öffnungszeit von Chlorid-Kanälen. Dieses passiert auch in Abwesenheit von körpereigenem GABA.

Damit unterscheiden sie sich von Benzodiazepinen, deren Wirkung über andere Untereinheiten des gleichen Rezeptors erfolgt. Sie sind im Gegensatz zu den Barbituraten abhängig von der GABA-Ausschüttung im Körper. Sie sorgen lediglich dafür, dass die Effekte verstärkt werden.

Barbiturate beruhigen und entkrampfen

Das Spektrum der psychischen Reaktionen ist breit und von der Dosis abhängig. Die Inhaltsstoffe können zur Beruhigung (Sedierung), als Schlafmittel Medikamente (hypnotische Effekte) oder als Narkotikum eingesetzt werden. Der REM (englisch: Rapid Eye Movement) Schlaf wird verkürzt. In dieser Schlafphase werden die Gedächtnisinhalte konsolidiert.

Unter der Einnahme verspüren die Betroffenen weniger Angst sowie eine muskelentspannende und krampflösende Wirkung. Wegen seiner Wirksamkeit gegen Krämpfe spielt der Wirkstoff bei der Behandlung von Epilepsien eine Rolle. Darüber hinaus fördert das Arzneimittel das Schmerzempfinden (hyperalgetisch, schmerzfördernd).

Welche Medikamente enthalten Barbiturate?

Arzneistoffe aus der Gruppe der Barbiturate werden aufgrund ihrer starken Nebenwirkungen nach Möglichkeit durch andere Stoffe ersetzt.

Arzneistoffe aus der Gruppe der Barbiturate werden u. a. als Schlafmittel, zur Epilepsiebehandlung und als Narkosemittel verwendet, haben jedoch starke Nebenwirkungen. – © logos2012 – Fotolia.com

Die Bedeutung der Barbiturate Medikamente ist drastisch zurückgegangen, seit die verheerenden Nebenwirkungen und neue, weniger gefährliche Substanzen bekannt wurden.

Das lange wirkende (bis zu 18 Stunden) Phenobarbital wird ebenso wie Primidon (Desoxyphenobarbital) noch in wenigen Fällen zur Behandlung von Epilepsie verwendet.

Einige kurzzeitig wirkende barbiturathaltige Arzneistoffe sind ebenfalls noch heute in Gebrauch. Dazu zählen Thiopental und Hexobarbital. Sie wirken nur einige Minuten und sind für die Narkoseeinleitung als Anästhetikum zugelassen.

Erstes barbiturat-Medikament

Das erste Medikament, Barbital, wurde Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts entwickelt und 1903 von der Firma Merck unter dem Markennamen Veronal verkauft. Später geriet es als Suizidmittel in Verruf. Bekannte Persönlichkeiten wie Stefan Zweig setzten ihrem Leben auf diese Weise ein Ende.

Pentobarbital, früher als Beruhigungsmittel gegen Stress und als Schlafmittel gegeben, ist heute nicht mehr zugelassen. Sterbehilfeorganisationen verwenden es für die Sterbehilfe. Gegen Migräne Schmerzen wurde in der Vergangenheit Butalbital in Kombination mit Schmerzmitteln verschrieben.

Ein weiteres vom Markt genommenes Barbiturat stellt Methohexital dar, das als Anästhetikum Einsatz fand. Gleiches gilt für Amobarbital, das 1923 zum ersten Mal synthetisiert wurde. Als die Benzodiazepine noch nicht entdeckt waren, war es als Schlafmittel weit verbreitet. In verschiedenen Ländern wird es als Wahrheitsserum zur Aufklärung von Verbrechen eingesetzt.

Cyclobarbital gelangte zu einiger Berühmtheit in der Barschel-Affäre. Bei der Autopsie wurde dieses Präparat in tödlicher Dosis im Körper des bekannten Politikers gefunden. Secobarbital ist nicht mehr im Handel zu bekommen, wird auf dem Schwarzmarkt beispielsweise als „Seggies“ illegal angeboten.

Nebenwirkungen und Suchtpotenzial von Barbituraten

Barbiturate haben ein hohes Abhaengigkeitspotenzial.

Da Abhängigkeitspotenzial von Barbituraten zählt zu den höchsten unter allen Drogen. – © Thomas Wydra Originalversion: Apartmento2 bzw. Gandulf, Rational scale to assess the harm of drugs (mean physical harm and mean dependence) de, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

So wie fast alle wirksamen Medikamente Nebenwirkungen haben, gibt es auch bei Barbituraten unerwünschte Effekte wie Abhängigkeit. Auf der Liste der gefährlichsten Drogen stehen Barbiturate auf dem dritten Platz nach Heroin und Kokain und noch vor Methadon.

Dieser Umstand erklärt, warum Barbiturate seit 1992 in Deutschland und der Schweiz nicht mehr zugelassen sind und mit wenigen Ausnahmen der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV) unterliegen.

Ärzte müssen deshalb ein spezielles Betäubungsmittelrezept ausstellen, damit Patienten mit Barbituraten behandelt werden dürfen.

Dennoch stieg laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) in der Schweiz der problematische Gebrauch psychoaktiver Medikamente stark an. Überproportional betroffen sind ältere Menschen, da sie häufiger unter Schlafstörungen leiden.

Missbrauch als Droge

Wegen ihrer vielfältigen Effekte im zentralen Nervensystem haben diese Substanzen in der Drogenszene Einzug gehalten. Konsumenten aus diesem Umfeld nennen sie Blue Heaven, Downs, Blues, Blue Bird oder Sleeper’s Peanuts. Die hohe Toxizität (Giftigkeit) der Substanz kann bei Überdosierung zum Tod führen. Es steht bei einer Vergiftung kein geeignetes Gegenmittel zur Verfügung.

Abhängigkeit und Entzug

Bei regelmäßigem Konsum resultiert nach kurzer Zeit eine körperliche und psychische Abhängigkeit. Deshalb ist der Entzug schwierig und sollte unbedingt mit ärztlicher Betreuung durchgeführt werden. Besonders gefährlich ist es, Barbiturate abrupt abzusetzen. Durch einen plötzlichen Entzug kann ein Delirium tremens (lebensbedrohliche Entzugssymptome) auftreten. Weitaus besser verträglich ist ein schleichender Entzug, bei dem die Dosis über einen längeren Zeitraum hinweg kontinuierlich reduziert wird.

Zu den zahlreichen Nebenwirkungen des dauerhaften Konsums barbiturathaltiger Medikamente zählen  Müdigkeit, Lethargie und eine Art Hang-over am nächsten Tag. Diese Symptome sind auf die hemmenden Effekte des Stoffes zurückzuführen. Je nach Dosierung kommen bei einigen Konsumenten Erregungszustände hinzu. Die Einnahme über eine längere Zeit senkt den Folsäure Spiegel und kann den Vitamin D Stoffwechsel beeinflussen. Eine regelmäßige Kontrolle kann Mangelzustände verhindern.

Ersatzstoffe für Barbiturate

Wegen der vielfältigen unerwünschten Nebenwirkungen sind die meisten barbiturathaltigen Medikamente  nicht mehr im Handel. Für die ehemaligen Einsatzgebiete der Barbiturate werden verschiedene Ersatzstoffe genutzt.

Ein Narkosemittel, das vorrangig in der Tiermedizin angewendet wird, stellt das Ketamin dar, das chemisch nicht zu den Barbituraten zählt, aber ebenfalls halluzinogene Effekte auslöst. Im Gegensatz zu den Barbituraten reduziert Ketamin das Schmerzempfinden, aber nicht den Blutdruck und das Herzzeitvolumen. Diese Eigenschaften wurden als vorteilhaft angesehen. Deshalb wurde es im Vietnamkrieg für die verletzten Soldaten eingesetzt. Als Rauschdroge missbraucht, wird es als „Kate“, „Vitamin K“ oder „Special K“ illegal gehandelt.

Zur Behandlung von starken Schmerzen dient inzwischen Tramadol, das nicht zu den Barbituraten, sondern zur Gruppe der Opioide gehört. Das Risiko, eine Abhängigkeit auszubilden, wird für dieses Medikament als weniger gefährlich eingeschätzt.

Nachweis mit dem Barbiturate Test

Ein Barbiturate Test weist den Konsum von Barbituraten in einer Urinprobe nach.

Mit dem Barbiturate-Test können Sie in einer Urinprobe den Konsum von Barbituraten nachweisen.

Um eine akute Vergiftung mit Barbituraten zu identifizieren, kann ein Barbiturate Drug Test lebensrettend sein.

Gleichfalls kommt der Drogennachweis im Urin zum Einsatz, um eine Suchterkrankung nachzuweisen oder zur Verlaufskontrolle während einer Entzugsbehandlung. Besonders im letzten Fall kann ein Schnelltest zur Selbstanwendung die Therapie unterstützen.

Üblicherweise werden Urin-Schnelltests verwendet. Sie erlauben, Barbiturate in Abhängigkeit der Fettlöslichkeit (und damit der Wirkdauer) bis zu 7 Tage und ab einer Konzentration von 200 Nanogramm pro Milliliter nachzuweisen.

Der Urintest basiert auf der Detektion über Antikörper und ist schnell durchführbar. Barbiturate Schnelltests für den Privatgebrauch weisen eine hohe Spezifität auf. Sie erreichen annähernd die Qualität von Labortests und sind ebenso zuverlässig.

Die Urintests sind schnell und einfach durchführbar und funktionieren ähnlich wie ein Schwangerschaftstest. Alles, was Sie für den Test benötigen, ist eine Urinprobe. Je nachdem, ob Sie einen Streifentest oder einen Kassettentest bestellen, wird der Teststreifen direkt in den Urin getaucht oder mit einer Pipette die Urinprobe in die Testkassette getropft. Nach wenigen Minuten können Sie das Ergebnis ablesen.

Wegen ihrer Nebenwirkungen haben Barbiturate in der Medizin an Bedeutung verloren. Nur in seltenen Fällen, bei Epilepsie oder in der Anästhesie, werden sie eingesetzt. Die missbräuchliche Anwendung hat jedoch dazu geführt, dass Barbiturate einen oberen Platz auf der Liste der gefährlichsten Drogen einnehmen. Im Urin-Selbsttest kann die Einnahme bis zu sieben Tage lang nachgewiesen werden. Bestellen Sie hier auf Heimtest-Schnelltests.de Ihren Barbiturate Test!

Quellen:
https://www.drugcom.de/drogenlexikon/, abgerufen am 20.01.2020
https://www.bag.admin.ch/dam/bag/de/dokumente/npp/forschungsberichte/forschungsberichte-medikamentenmissbrauch/auslegeordnung-psychoaktive-medikamente.pdf.download.pdf, abgerufen am 20.01.2020
https://de.wikipedia.org/wiki/Barbiturate, abgerufen am 20.01.2020
http://www.forum-gesundheitspolitik.de/artikel/artikel.pl?rubrikartikel=5040, abgerufen am 20.01.2020
http://www.emcdda.europa.eu/publications/drug-profiles/barbiturates/de, abgerufen am 20.01.2020
https://www.gesundheit.de/medizin/wirkstoffe/schmerzmittel/, abgerufen am 20.01.2020