Machen Benzodiazepine abhängig?

Benzodiazepine nehmen etwa 10 % der erwachsenen Bevölkerung zur Behandlung von Angst- oder Schlafstörungen ein. Betroffenen ist jedoch oft nicht bewusst, welches Suchtpotenzial der Wirkstoff aufweist und wie schwierig ein Entzug werden kann. In diesem Beitrag auf Heimtest-Schnelltests.de erfahren Sie mehr!

Lutera, Sudafed und Clonazepam sind Benzodiazepine, die zu den Psychopharmaka zählen.

Benzodiazepine sind Psychopharmaka. Lutera, Sudafed und Clonazepam sind typische Vertreter dieser Beruhigungsmittel. – © Spectral-Design – Fotolia.com

Benzodiazepin ist ein Arzneistoff, der zur Behandlung von Angststörungen, Erregungszuständen, Schlafstörungen oder Epilepsie genutzt wird. Bekannte Medikamente mit dem Wirkstoff sind Xanax und Valium.

Benzodiazepine machen jedoch abhängig und werden auch als Droge missbraucht. Studien zufolge sind in Deutschland zwischen 128 000 und 1,6 Millionen Menschen von dem Wirkstoff abhängig. Die Kombination von Benzodiazepinen mit anderen Medikamenten sollte nur nach Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen, da verschiedenste Wechselwirkungen zwischen Benzos und anderen Arzneimitteln auftreten können.

Mit einem Drogentest lässt sich der Konsum der Substanz nachweisen. Das gilt auch für Benzos, die vom Arzt verschrieben werden.

Was sind Benzodiazepine?

Benzodiazepine wie Lorazepam, Clonazepam, Diazepam, Alprazolam, Amphetamine und Sertraline sind sind chemische Verbindungen mit beruhigender Wirkung.

Benzodiazepine wie Lorazepam, Clonazepam, Diazepam, Alprazolam, Amphetamine und Sertraline sind sind chemische Verbindungen mit beruhigender Wirkung. – © meletver – Fotolia.com

Benzodiazepine sind chemische Verbindungen, die in der Medizin vor allem als Tranquilizer (Beruhigungsmittel) eingesetzt werden. Die Besonderheit dieser Arzneimittel ist, dass sie spezifisch an GABA-Rezeptoren binden und so das zentrale Nervensystem eines Menschen beeinflussen können.

Vielfältige Einsatzgebiete

Benzodiazepin weist eine große Bandbreite an Einsatzgebieten auf. So werden Medikamente mit diesem Wirkstoff unter anderem zur Behandlung von Angst- und Panikstörungen sowie gegen Schlafstörungen eingesetzt.

Darüber hinaus wirken Benzodiazepine antikonvulsiv (gegen Krampfanfälle) und können daher zur Therapie von Epilepsie verordnet werden. Neben der angstlösenden, krampflösenden und beruhigenden Wirkung besitzen Benzodiazepine auch muskelrelaxierende Eigenschaften und werden deshalb bei Muskelkrämpfen verwendet.

In der Allgemeinanästhesie werden Benzodiazepine häufig zusammen mit Ketamin verwendet, um eine Vollnarkose einzuleiten. Ketamin ist ein Narkotikum, das Schmerzfreiheit und Bewusstlosigkeit herbeiführt. Um Angstzustände bei Patienten zu verhindern, wird dieses Anästhetikum gerne mit einem Benzodiazepin kombiniert.

Sind Benzodiazepine Drogen?

Aufgrund des großen Wirkspektrums von Benzodiazepinen gehört diese Gruppe von Arzneimitteln zu den am häufigsten verschriebenen Psychopharmaka. Immer wieder wird aber die Frage aufgeworfen, ob Benzodiazepine nicht eigentlich Drogen sind. Obwohl der Wirkstoff von Ärzten verschrieben wird und legal in der Apotheke erhältlich ist, wird er tatsächlich auch als Droge missbraucht. Eine Abhängigkeit entsteht, weil die Substanz auf das Zentralnervensystem wirkt und den Gehirnstoffwechsel beeinflusst.

Stärkste Benzodiazepine

Welches Präparat als stärkstes Benzodiazepin gilt, kann der Benzodiazepine-Tabelle entnommen werden. Diese Liste stellt einen Benzodiazepin-Vergleich dar, aus dem die verschiedenen Halbwertszeiten und Äquivalenzdosierungen in mg ersichtlich sind. Demzufolge handelt es sich bei Alprazolam (z. B. Xanax), Clonazepam (z. B. Klonopin) und Triazolam (Halicon) um die stärksten Benzodiazepine.

So wirken Benzodiazepine

Benzodiazepine wie Alprazolam haben schwere Nebenwirkungen.

Benzodiazepine wie Alprazolam haben starke Nebenwirkungen. – © Albert Pschera

Arzneimittel aus der Klasse der Benzodiazepine wirken anxiolytisch (angstlösend), sedativ (beruhigend), hypnotisch sowie muskelrelaxierend (entspannend) und antikonvulsiv (krampflösend).

Die charakteristische Benzodiazepine-Wirkung wird erzeugt, weil der Stoff an die GABA-Rezeptoren des Nervensystems bindet, wodurch die hemmende Wirkung des Neurotransmitters GABA verstärkt wird.

Mischkonsum gefährlich

Da Benzodiazepine eine allgemein dämpfende Wirkung haben, sollten sie nicht zusammen mit stimulierenden Substanzen konsumiert werden. So sollten Benzodiazepine nicht zusammen mit Kokain eingenommen werden, da beide Substanzen entgegengesetzt wirken und der Körper dadurch stark belastet wird.

Alkohol verstärkt Wirkung

Darüber hinaus stellt der Mischkonsum von Benzodiazepin und Alkohol eine gefährliche Kombination dar. Alkohol weist genau wie die Benzodiazepine eine atemdepressive Wirkung auf. Beide Substanzen wirken also hemmend auf das Atemzentrum im Gehirn. Werden Benzodiazepine gleichzeitig mit Alkohol eingenommen, verstärkt sich die atemdepressive Wirkung, wodurch eine lebensgefährliche Situation entstehen kann.

Benzodiazepin-Gegenmittel

Um die dämpfende Wirkung von Benzos aufzuheben, wird ein Benzodiazepin Antagonist gegeben. Entsprechende Antagonisten wie Flumazenil werden unter anderem zur Behandlung von einer Überdosierung mit Benzodiazepinen verwendet. Die Kombination Benzodiazepine Medikamente ist gefährlich, da es viele bekannte Wechselwirkungen gibt. Grundsätzlich sollten Benzodiazepine nicht mit anderen Beruhigungsmitteln eingenommen werden.

Alternativen bei Schlafstörungen

Bekannte Wechselwirkungen bestehen jedoch auch bei der gleichzeitigen Einnahme von Antidepressiva, Antikonvulsiva und Antihistaminika. Barbiturate und Benzodiazepine können nicht als Kombination eingenommen werden. Allerdings werden Barbiturate alternativ zu Benzodiazepinen zur Behandlung von Schlafstörungen verwendet, bei denen Benzodiazepine unwirksam sind. Im Gegensatz zu Benzodiazepinen können Barbiturate nämlich Schlaf erzwingen.

Folgen einer Benzodiazepinabhängigkeit

Benzodiazepine haben hohes Suchtpotenzial und schädigen den Körper.

Benzodiazepine liegen im Vergleich zu anderen Drogen im oberen Mittelfeld hinsichtlich Suchtpotenzial und Schädigung des Körpers. – © Thomas Wydra Originalversion: Apartmento2 bzw. Gandulf, Rational scale to assess the harm of drugs (mean physical harm and mean dependence) de, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

Die Auswirkungen einer Benzodiazepin-Abhängigkeit sind vielfältig und sind stark von der Dosierung abhängig. Bei niedrigen Dosierungen stellt sich zwar nach einiger Zeit eine Abhängigkeit ein, allerdings sind die gesundheitlichen Probleme dabei meist gering.

Benzodiazepine kaufen?

Viele Webseiten werben mit Slogans, wie „Benzodiazepine kaufen“ oder „Benzodiazepine rezeptfrei“. Dies ist jedoch ein gefährliches Geschäft, weil die Substanz verschreibungspflichtig ist bzw. teilweise sogar unter das Betäubungsmittelgesetz fällt. Bereits nach etwa einem Monat kann sich eine Abhängigkeit einstellen.

Benzos nicht alleine absetzen!

Handelt es sich um eine Benzodiazepinabhängigkeit von hohen Dosen, sind die Folgen oft schwerwiegend. Bei einer zu hohen Dosierung können Vergiftungserscheinungen auftreten. Außerdem darf der Wirkstoff nicht ohne ärztliche Begleitung abgesetzt werden, da sonst Entzugserscheinungen auftreten können.

Langfristige Nebenwirkungen

In den Grundzügen unterscheidet sich eine Benzodiazepinabhängigkeit kaum von anderen substanzbezogenen Abhängigkeiten. So kommt es im Laufe der Zeit zu einer Verminderung der Leistungsfähigkeit sowie zur sozialen Isolation. In Folge einer Benzodiazepinabhängigkeit kann sich die zugrunde liegende Erkrankung wie etwa ein Burn-out noch verstärken.

Die Benzodiazepine-Nebenwirkungen sind vielfältig. So können unter anderem psychische Reaktionen wie Albträume, starke Erregung, Aggressivität sowie Halluzinationen auftreten. Besonders häufig sind Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit und eine Herabsetzung der Reaktionsfähigkeit. Nicht selten leiden Betroffene auch unter Gedächtnisstörungen. Vor allem bei gleichzeitigem Konsum von Alkohol können Atemstörungen auftreten. Benzos sorgen auch für eine Erhöhung der Leberwerte.

Wie wirkt ein Benzodiazepin-Entzug?

Häufig wird eine Benzodiazepine-Sucht erst relativ spät entdeckt, da besonders bei niedrigen Dosierungen kaum Nebenwirkungen auftreten. Es ist jedoch wichtig, Benzos langsam auszuschleichen und nicht abrupt abzusetzen. Wer benzodiazepinhaltige Medikamente absetzen möchte, kann durch Ausschleichen den Benzodiazepine-Entzug erträglicher gestalten.

Ziel des Entzugs ist es, dass Betroffene die Dosis kontinuierlich verringern, bis ein normales Leben ohne Medikamente möglich ist. Auch bei einem langsamen Absetzen der Medikamente kann es zu Beschwerden kommen.

Rückfälle und Entzugssymptome

Im weiteren Verlauf des Entzugs können Rückfallsymptome auftreten. Dabei treten die ursprünglich vorhandenen Beschwerden der Grunderkrankung erneut auf. Betroffene leiden dann zum Beispiel erneut unter Phobien oder Erregungszuständen.

Darüber hinaus gibt es die echten Entzugssymptome, also jene Symptome, die aufgrund des Absetzens des Medikaments auftreten. Dazu gehören unter anderem Beschwerden wie Übelkeit, Zittern, Schwitzen, Schwindel, Depressionen, Krämpfe sowie Störungen der Konzentration und des Antriebs. Diese echten Entzugssymptome, die in ähnlicher Form auch beim Entzug von Opiaten wie Morphium bzw. Morphin auftreten, können mehrere Tage, bis mehrere Wochen lang anhalten.

Entzug nach Plan

Aufgrund der langen Halbwertszeiten dauert ein Benzodiazepin-Entzug in de Regel länger als z. B. der Entzug von Alkohol. Komplikationen wie das Entzugssyndrom erschweren nicht selten die Entgiftung. Deshalb sollte stets ein Entzugsplan mit einem Arzt erstellt werden, um Entzugserscheinungen zu minimieren oder bestenfalls ganz zu verhindern. Ein Entzugsplan beinhaltet vor allem eine Reduktion der Dosis. In weiterer Folge kann das Präparat auf ein schwächer wirkendes Medikament umgestellt werden.

Nachweis mit einem Benzodiazepine-Drogentest

Mit einem Benzodiazepine Test lässt sich in einer Urinprobe der Konsum der Substanz nachweisen.

Mit einem Benzodiazepine-Test können Sie selbst zu Hause in einer Urinprobe den Konsum der Substanz nachweisen. – © Björn Wylezich – Fotolia.com

Benzos können relativ unkompliziert durch einen Benzodiazepine Test nachgewiesen werden. Die Benzodiazepine-Nachweisbarkeit im Blut bzw. im Urin hängt von der Substanz und dem Zeitpunkt der letzten Einnahme ab.

Durchschnittlich kann Benzodiazepin im Blut noch nach einigen Stunden nachgewiesen werden. Wird der Urin getestet, kann ein Nachweis drei bis sieben Tage nach der letzten Einnahme erfolgen.

Wie lange sind Benzos nachweisbar?

Bei einer Langzeiteinnahme der Droge kann diese etwa vier bis sechs Wochen nach dem letzten Konsum im Urin nachgewiesen werden. Ob der Konsum von benzodiazepinhaltigen Präparaten nach einer gewissen Zeit noch nachgewiesen werden kann, hängt von der Benzodiazepine-Halbwertszeit ab.

Manche Benzos haben eine kurze Halbwertszeit; das bedeutet, dass die Substanz schnell metabolisiert wird und dann nicht mehr nachweisbar ist. Eine kurze Halbwertszeit von maximal zwölf Stunden haben unter anderem Xanax und Noctamid. Relativ lange Halbwertszeiten von bis zu zweihundert Stunden haben Medikamente wie Valium, Nobrium oder Librium.

Im Rahmen eines Benzodiazepine-Drogentests ist die Einnahme von Tramadol, einem starken Schmerzmittel, nicht nachweisbar, da es sich dabei um ein Opioid handelt.

Benzodiazepine sind äußerst effektive Arzneistoffe, die bei verschiedenen Krankheitsbildern eingesetzt werden können. Sie eignen sich zur Schmerztherapie oder zur Beruhigung. Benzos weisen jedoch ein erhebliches Suchtpotenzial auf. Eine Überdosis kann zu Atemstillstand und Bewusstlosigkeit führen. Wenn Sie den Verdacht haben, selbst von einer Abhängigkeit betroffen zu sein oder wissen möchten, ob Ihre Angehörigen Benzodiazepine als Droge konsumieren, kann ein Schnelltest für die Selbstanwendung Gewissheit bringen. Hier auf Heimtest-Schnelltests.de finden Sie eine Auswahl empfehlenswerter Benzodiazepin-Tests zum Bestellen.

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Benzodiazepine, abgerufen am 06.02.2020
https://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%A4dlicher_Gebrauch_von_Benzodiazepinen, abgerufen am 06.02.2020
https://www.gtfch.org/cms/images/stories/media/tk/tk80_3/HaaseKoenig.pdf, abgerufen am 06.02.2020
https://www.aerzteblatt.de/archiv/166997/Probleme-der-Dauertherapie-mit-Benzodiazepinen-und-verwandten-Substanzen, abgerufen am 06.02.2020
https://benzo.org.uk/german/bzcha01.htm, abgerufen am 06.02.2020